DEUTSCHLAND

Denis Zakaria: "Nichts kommt von allein"

Kaum ein anderer Bundesliga-Neuling ist besser und wuchtiger angekommen als er: Denis Zakaria. Der Schweizer wird auch während der Rückrunde nicht nur in Mönchengladbach im Mittelpunkt stehen.
12.01.2018 | 07:09

Der 21-jährige Genfer trägt keinen profanen Namen. Denis Lemi Zakaria Lako Lado - der Vater stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, die Mutter ist Sudanesin. Am Lac Léman wuchs er auf, zwei Schweizer Klubs prägten seine sportliche Entwicklung: Bei Servette funktionierten sie ihn vom Stürmer zum Dirigenten im defensiven Mittelfeld um, in Bern drängte sich Zakaria als 19-jähriger YB-Stammspieler für ein EM-Aufgebot auf.

Ohne Anlaufschwierigkeiten

Im letzten Sommer verliess der Romand die Schweizer Komfortzone und setzte seinen steilen Aufstieg in Mönchengladbach fort. Ohne die geringsten Anlaufschwierigkeiten, ohne Furcht, praktisch ohne Fehler und Verzögerung verschaffte sich das Talent einen Platz in der Herzkammer der Borussia. Bis jetzt ist er jeden Cent der zwölf Millionen Euro Ablösesumme wert. Seine physische Präsenz ist beeindruckend, taktisch erfüllt er bislang alle Ansprüche - und mit einer Quote hebt sich der Westschweizer ab: 91 Prozent seiner Pässe kamen an, kein anderer Mittelfeldspieler in Deutschlands Eliteklasse erreichte in der Vorrunde einen besseren Wert.

Die Bundesliga-Experten staunten. Allen voran Lothar Matthäus, der deutsche Rekord-Nationalspieler und Captain der Weltmeister-Elf von 1990: "Ich bin froh, dass Gladbach wieder eine Perle gefunden hat." Vergleiche mit dem jungen Toni Kroos kursieren. Zakaria hat die Hymnen der Kommentatoren mitbekommen. "Es ehrt mich natürlich, das von solchen Persönlichkeiten zu hören", sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. "Das treibt mich an, noch mehr zu machen."

Stillstand ist für den klassischen Box-to-Box-Akteur keine Option: "Meine Entwicklung muss weitergehen." Die Komplimente nehmen ihm nichts von seiner Klarsicht: "Toni Kroos bewegt sich auf einem anderen Niveau, ich bin noch weit entfernt von ihm." Er sehe sich auch nicht als Chef im Mittelfeld, das sei übertrieben. Aber seine Position im Kern der Equipe wird er behaupten: "Ich habe schon in Bern alles investiert, um Titular zu sein, um nicht überrascht zu werden."

Das Debüt als Highlight

Am Niederrhein hat der Mittelfeldspieler im ersten halben Jahr intensive Erfahrungen gemacht. Zu den persönlichen Highlights gehört aber nicht etwa der Triumph gegen die Bayern, sondern das Meisterschafts-Debüt im Heim-Derby gegen Köln: "Mein erstes Spiel im Borussia-Park. Ich spürte die unfassbare Ambiance, dieser erste Eindruck wird mir ewig in Erinnerung bleiben." In jenem Moment wurde ihm klar, "dass es sich gelohnt hat, die Schweizer Liga zu verlassen" und im Jahr vor der WM eine "grosse Umstellung" zu riskieren.

Die ansprechende Performance der Borussia, die tägliche Herausforderung gegen internationale Konkurrenten haben Zakarias Stellenwert vergrössert. Als Valon Behrami im WM-Playoff medizinisch bedingt nicht zur Verfügung stand, setzte Vladimir Petkovic in den 180 Minuten gegen Nordirland ohne Einschränkung auf den Gladbacher Aufsteiger. Die Einsätze mit der SFV-Auswahl wertet Zakaria "als wichtiges Zeichen, dass ich hier einiges richtig gemacht habe. Nichts kommt von allein."

Lob aus London

Dieter Hecking vertraut dem jungen Schweizer seit der ersten Saisonminute, Sportchef Max Eberl lobt seine Präsenz und Dynamik. Und aus London meldet Mönchengladbachs ehemaliger Captain Granit Xhaka nur Gutes über seinen künftigen SFV-Partner: "Er hat in Sachen Selbstvertrauen enorm zugelegt. Denis erinnert mich an Mo Dahoud, mit dem ich in Gladbach zusammengespielt habe."

Der Arsenal-Skipper hält den nordrhein-westfälischen Klub für die perfekte Wahl: "Ich kenne den Klub, er leistet hervorragende Arbeit. Da wird einem jungen Spieler auch mal das Vertrauen geschenkt, wenn es nicht so läuft." Davon profitiere Zakaria, der immer klare Ziele vor Augen habe und Ratschläge akzeptiere: "Er hört gut zu und ist an Inputs interessiert. Solche Spieler unterstütze ich, die mag ich."

Eine Karriereplanung à la Xhaka schwebt dem Genfer Kraftwerk ebenfalls vor. Seinen Vorgänger bei der Fohlenelf betrachtet er als "grossen, grossen Spieler". Während dessen Regentschaft stürmte die Borussia in die Champions League. Als punktgleicher Sechster mit dem drittklassierten Dortmund ist der Sprung in die europäische Eliteklasse zu schaffen: "Wir besitzen die Qualität, solche Ziele zu erreichen." (sda)

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