WIL

Viele Wege führen nach Wil

Die Äbtestadt ist heute bestens an den Schienenverkehr angeschlossen. Bereits vor über 160 Jahren entstand die erste Zugverbindung. Schon damals erkannte der Gemeinderat, dass dies «für Wyl eine Lebensfrage ist».
09.01.2018 | 05:19
Gianni Amstutz

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Wer heute mit öffentlichen Verkehrsmitteln von oder nach Wil reisen möchte, findet neben Bussen und Postautos auch zahlreiche Zugverbindungen, die in alle Himmelsrichtungen verkehren. Egal ob Frauenfeld, St. Gallen, Zürich oder das Toggenburg: Viele Destinationen lassen sich mit dem Schienenverkehr erreichen. Und das seit über 160 Jahren. Damals, im Herbst 1855 wurde mit der Strecke Winterthur–Wil– Rorschach die erste Bahnlinie der Äbtestadt eröffnet.

Drei Jahre zuvor stimmten die politische Gemeinde und die Ortsgemeinde Wil dem Bau der Zugverbindung einstimmig zu. Damit sollte die wirtschaftliche Stellung von Wil, aber auch der Kantone Appenzell und St. Gallen als Ganzes gestärkt werden. Oder wie es der Gemeinderat in seinen Anträgen formulierte: «Die Erstellung einer Eisenbahn von Wyl über St. Gallen nach Romanshorn ist nicht nur für die Kantone St. Gallen und Appenzell, sondern auch für Wyl selbst eine Lebensfrage.»

Drei weitere Zugverbindungen folgen

Weitere Bahnverbindungen nach Wil liessen nicht lange auf sich warten. Denn auch im Toggenburg wurden Rufe nach einem Anschluss an den Schienenverkehr laut. Bereits 1858 existierte ein Projekt für eine Verbindung zwischen Wil und Ebnat. Es sollte allerdings noch zwölf Jahre dauern, bis die Eröffnung der Toggenburgerbahn am 23. Juni 1970 gefeiert werden konnte.

1887 folgte mit der Frauenfeld-Wil-Bahn die nächste Zugverbindung Wils. Auch in diesem Fall waren erste Ideen bereits Jahre vor der Umsetzung vorhanden. So war Frauenfeld 1855 als Station auf der Strecke St. Gallen-Winterthur im Gespräch. Als jedoch eine Streckenführung über Aadorf zum Zuge kam, verschwand die Idee wieder in der Schublade. 1870 tauchte sie in veränderter Form wieder auf. Eine normalspurige Frauenfeld-Wil-Bahn liess sich aber nicht finanzieren und rentabel betreiben. So entschloss man sich, stattdessen eine schmalspurige Strassenbahn zu bauen. Dies war weit weniger aufwendig und liess mehr Spielraum in der Linienführung. Nach nur viermonatiger Bauzeit konnte der erste Zug am 1. September 1887 die Strecke zwischen Frauenfeld und Wil in Angriff nehmen.

Frauenfeld-Wil-Bahn auf wackeligen Schienen gebaut

Mehrmals wurde der Betrieb der Frauenfeld-Wil-Bahn in der Folge in Frage gestellt. Denn bereits bei der Eröffnung der Strecke stand der Bahnverkehr nicht nur im übertragenen Sinne auf wackeligen Schienen. Der Erste Weltkrieg stürzte die Bahn in eine noch grössere Krise. Zum desolaten Zustand der Anlage kamen ein Mangel an Brennstoffen und finanziellen Mitteln hinzu. Durch die Elektrifizierung der Bahn zwischen Wil und Frauenfeld 1921 konnte die Verbindung gerettet werden. Ein weiteres Mal stand der Weiterbestand der Frauenfeld-Wil-Bahn ein halbes Jahrhundert später auf der Kippe. Es wurde diskutiert, die Zugverbindung durch einen Autobusbetrieb zu ersetzen. Die Ölkrise machte diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und die Strecke wurde unter Aufwand bedeutender Mittel modernisiert.

Als vierte Zugverbindung Wils kam 1911 die Mittelthurgaubahn hinzu. Ab 1950 wurde diese von einer gleichnamigen Aktiengesellschaft eigenständig betrieben und führte von Wil bis nach Konstanz. 2002 wurde die Mittelthurgaubahn AG aufgrund hoher Verschuldung aufgelöst. Die Anlagen und das Rollmaterial wurden daraufhin von der Thurbo AG übernommen.

Hinweis

Ausstellung: «Die Eisenbahn kommt» im Stadtmuseum, Hof zu Wil.

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