WIL

Deutschkkurse in Moschee: "Stadt sendet ein falsches Signal"

Der SVP-Stadtparlamentarier Erwin Böhi stört sich daran, dass die Quartierschule ihre Kurse in einer Moschee durchführt. Der Grundsatz der Verpflichtung zur konfessionellen Neutralität des Staates gelte auch für Gemeinden.
13.01.2018 | 05:19
Hans Suter

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

Die Quartierschule bietet spielerische Deutschkurse an und richtet sich an fremdsprachige Ausländerinnen und Ausländer, insbesondere an Flüchtlinge. Dass diese Kurse ausgerechnet in der neuen Wiler Moschee im Südquartier stattfinden, stört den SVP-Politiker. Am Donnerstag hat er deshalb eine Interpellation unter dem Titel "Quartierschulen und Integration" eingereicht. Folgende zwei Fragen richtet er darin an den Wiler Stadtrat:

1. Aus welchen Gründen veranlasste der Stadtrat, dass nach der Schulung der Kursleiter im islamischen Begegnungszentrum auch der erste Sprachkurs dort durchgeführt wurde, obwohl es in Wil andere Räume dafür gibt?

2. Ist der Stadtrat bereit, allenfalls auch in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden, die Kurse der Quartierschule ab sofort in einer neutralen Lokalität durchzuführen? "Der Grundsatz der Verpflichtung zur konfessionellen Neutralität des Staates gilt auch für die Gemeinden", argumentiert Erwin Böhi.

"Die Durchführung der Sprachkurse in einer Moschee kann bei der Zielgruppe der Quartierschule zu Missverständnissen führen oder sie gar davon abhalten, teilzunehmen." Gerade bei Flüchtlingen sei es möglich, dass sie vor fundamentalistischen Kräften hätten fliehen müssen. "Abgesehen davon sendet die von der Stadt ausgewählte Lokalität ein völlig falsches Signal im Hinblick auf die Integration der Teilnehmenden in die Gesellschaft, denn in der Schweiz wird die Religion als Privatsache angesehen", argumentiert Böhi weiter. Nach seiner Auffassung muss die Quartierschule an einem neutralen Ort stattfinden.
 

Kurslokale ohne jegliche Hemmschwelle

Im vergangenen Oktober fand im islamischen Begegnungszentrum in Wil ein Ausbildungskurs für die Kursleiterinnen und Kursleiter der Quartierschule statt. Für den ersten eigentlichen Sprachkurs hat die Stadt Wil wiederum die Moschee im Südquartier ausgewählt. "Zwar ist es verdankenswert, dass die albanische muslimische Gemeinschaft einen Raum in ihrer Moschee für die Quartierschule kostenlos zur Verfügung stellt", sagt Erwin Böhi. Es sei aber nicht nachvollziehbar, dass der Stadtrat dieses Angebot angenommen habe. "Aufgrund der unterschiedlichen Herkunft und Religionszugehörigkeiten der Teilnehmenden ist es zwingend, dass für die Sprachkurse eine Lokalität ausgesucht wird, die keinerlei Hemmschwelle religiöser, kultureller oder anderer Natur aufweist", ist Erwin Böhi überzeugt. Alternative Räume wären seines Erachtens im Stadtsaal, im Hof zu Wil, in der Liegenschaft Turm oder bei privaten Anbietern verfügbar.
 

Das Wesen der Quartierschule

Konzept Seit Juli 2017 wird in den Gemeinden unter der Schirmherrschaft der Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten (VSGP) das Konzept der Quartierschule für Fremdsprachige umgesetzt. Es richtet sich an alle Ausländerinnen und Ausländer. Die Teilnehmenden sind jedoch hauptsächlich Personen des Asylbereichs. Mit dem Konzept sollen die Deutschkenntnisse auf spielerische Art und Weise gefördert und Alltagsthemen behandelt werden, im Hinblick auf die Integration dieser Personen. Die Teilnehmenden lernen zuerst die mündliche Sprache. In einem zweiten Teil sind der Schreibunterricht und danach als dritte Stufe ein Vertiefungskurs vorgesehen. Insgesamt umfasst das Konzept 60 Stunden kommunikationsorientierten Sprachunterricht durch freiwillige Kursleiter aus der betreffenden Gemeinde und richtet sich vor allem an Personen mit wenig Schulbildung, ebenso an Analphabeten. (red)

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