REGION WIL

Regiobus hält Temperaturen im Winter unter 20 Grad

Die SBB senken die Temperatur in einer Zürcher S-Bahn testweise von 22 auf 20 Grad, um Strom zu sparen. Bei Zug- und Busunternehmen der Region Wil ist eine solche Reduktion derzeit kein Thema – mit einer Ausnahme.
09.01.2018 | 20:12
Aktualisiert:  09.01.2018, 20:00
Tim Frei
Beim Perron oder bei der Bushaltestelle in der Winterkälte auf den Zug oder Bus warten – das geht derzeit nicht ohne warme Bekleidung wie Jacke, Mütze und Halstuch. Kaum ist man im Zug oder im Bus, beginnt jedoch das Schwitzen. Für Benutzer einer Zürcher S-Bahn wird es zumindest für einen Monat angenehmer: Seit gestern Dienstag läuft der Testlauf der SBB, die Raumtemperatur von 22 auf 20 Grad zu senken – dies in einigen, aber nicht allen Wagen einer Zürcher S-Bahn. «Ziel ist es, Energieeffizienzsteigerungen zu erzielen», begründet SBB-Mediensprecher Reto Schärli das Testprojekt, welches bis am 4. Februar dauern wird. Wie sieht es bei Zügen und Bussen in der Region Wil aus?
 
Die Temperaturen bewegen sich zwischen 18 und 22 Grad, wie eine Umfrage bei Betreibern zeigt. Je 22 Grad beträgt sie in den Bussen von Wil Mobil sowie in den Wagen der Regionalbahn Thurbo und der Schweizerischen Südostbahn (SOB). «In Postautos ist sie in der Regel auf 20 bis 22 Grad eingestellt», wie Postauto-Sprecherin Valérie Gerl sagt. In der Frauenfeld-Wil-Bahn (FWB), die von den Appenzeller Bahnen betrieben wird, beträgt die Temperatur 21 Grad. Am «kältesten» ist es in den Regiobussen mit rund 18 Grad. 
 

Hohe Haltestellenfrequenz macht Senkung obsolet

Eine Reduktion wie bei der SBB ist bei allen Betreibern derzeit kein Thema. Dies aus unterschiedlichen Gründen. Die FWB und die SOB begründen dies mit den Rückmeldungen der Kunden. «Die Referenztemperatur von 21 Grad hat sich wie bei den Appenzeller Bahnen auch bei der FWB bewährt: Aufgrund von Rückmeldungen konnten wir feststellen, dass die 21 Grad dem Kundenbedürfnis entsprechen», sagt Sabrina Huber, Mediensprecherin der Appenzeller Bahnen. «Die Temperatur von 22 Grad wird von den Fahrgästen als angenehm wahrgenommen», sagt SOB-Mediensprecher Christopher Hug. Beide Betreiber streichen zudem hervor, dass die Haltestellenabstände im Regionalverkehr kurz seien. «Bei jeder Haltestelle dringt somit auch Kälte in den Fahrzeuginnenraum, auch deshalb macht eine Temperaturabsenkung keinen Sinn», erklärt Hug. Ähnlich sieht es bei den Regiobussen aus: «Wir halten die Innenraumtemperatur im Winter generell unter 20 Grad. Im Nahverkehr sind die Fahrgäste mit Winterbekleidung unterwegs. Da möchten die Fahrgäste wegen den häufig kurzen Fahrwegen und -zeiten keine Mäntel und Jacken ablegen», sagt Regiobus-Geschäftsführer Bruno Huber. Er betont zudem, dass bei den Regionalbussen viel höhere Wärmeverluste zu verzeichnen seien als bei den Zügen. Dies aufgrund der kurzen Haltestellenabstände und der Vielzahl von kurz aufeinanderfolgenden Fahrgastwechseln mit verhältnismässig grossen Türen zum Innenraumvolumen eines Busses. «Eine genaue Temperaturregelung ist daher kaum zu erreichen.» 
 
Bei den Busbetreibern kommt derweil ein weiteres Argument hinzu – jenes der energiesparenden Heizung. Sowohl Postauto Schweiz als auch Wil Mobil betonen, dass die Fahrzeuge über die Abwärme der Motoren geheizt werden. «Wenn es zu kalt ist oder der Bus noch nicht lange genug gefahren ist, springt eine elektrische Standheizung ein», sagt Hans Koller, Leiter Markt von Wil Mobil. Derzeit würden sie es nicht in Betracht ziehen, die Temperatur zu senken oder zu erhöhen.
Sinken die Temperaturen unter 8 Grad, kann es laut Valérie Gerl sein, dass es in Postautos knapp 20 Grad werde. «Wir machen gute Erfahrungen, weil im Winter Fahrgäste meistens warm angezogen sind und die Temperatur schnell steigt, sobald sich viele Personen in einem Fahrzeug befinden», sagt sie.
 

Thurbo kann sich Reduktion vorstellen

Der einzige Betreiber, der eine Temperatursenkung offenlässt, ist Thurbo. «Eine Reduktion ist nicht per sofort vorgesehen, wir beobachten den Versuch der SBB aber aufmerksam», sagt Mediensprecher Werner Fritschi. Nach Vorliegen der Ergebnisse könnten sie sich eine Reduktion grundsätzlich aber gut vorstellen. 
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