GANTERSCHWIL

Soja aus dem Toggenburg

Der Bio-Bauer Xaver Ammann pflanzt Soja im Thur- und Neckertal an. Auf dieser Höhe ist das dank einer resistenten Sorte möglich. Soja ist für eine vielseitige biologische Ernährung geeignet.
06.01.2018 | 08:03
Christiana Sutter

Christiana Sutter

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Der Bio-Hof Auhalden des Bauerns Xaver Ammann liegt von Bütschwil kommend links, wenn man die Thur überquert. Der 35-jährige Bauer bewirtschaftet 21 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche, davon rund fünf Hektaren Ackerbau und Kunstwiesen. Weiter gehören drei Hektaren Wald zum Betrieb. Seit drei Jahren baut der Bio-Bauer Soja an. «Soja ist eine sehr robuste Pflanze», sagt Ammann. Die Sojapflanze hat in der Schweiz keine nennenswerte Feinde oder Pflanzenkrankheiten. Dies im Gegensatz zu den Standardkulturen wie Getreide, Mais, Kartoffeln oder Raps. Soja mag aber keine Kälte. Auf einer halben Hektare wird auf dem Bio-Hof Soja angebaut. Daneben versucht sich Xaver Ammann auch in der Anpflanzung von anderen Kulturen, wie beispielsweise Linsen-Leindotter, Leinsamen (Leinöl), Raps, Braunhirse, Winterweizen und zum Eigengebrauch Kartoffeln und weiteres Gemüse. Nebst dem Ackerbau gibt es auf dem Hof 15 bis 18 Milchkühe. Der Milchmengenertrag beträgt rund 5500 Liter pro Jahr und Kuh. Eine weitere Einnahmequelle ist die Remontenaufzucht. Die Tiere sind bis zum sechsten Monat auf dem Hof, dann gibt sie Ammann weiter in die Bio-Weidebeefmast.

Keine Ressourcen verschwenden

Xaver Ammann hat erst 2013 die Zweitausbildung zum Landwirt begonnen. Ausschlaggebend für die Ausbildung zum Bauer war der Entscheid seines Vaters im Jahr 2011. Er kam ins Pensionsalter. Dieser teilte seinen Kindern in einem Brief mit, dass sie sich Gedanken darüber machen sollen, was mit dem Auhalden-Hof geschieht. «Für mich war die Landwirtschaft früher kein Thema», sagt Xaver Ammann. Seine Ausbildungen hat er nun im Kanton Bern und Waadt absolviert, dies in auf Ackerbau spezialisierten Höfen.

Der Bio-Bauer ist gelernter Radio-TV Elektriker. Später besuchte er die Fachhochschule in Winterthur und bildete sich zum Elektroingenieur weiter. Von 2007 bis 2013 war Ammann in der Elektronikentwicklung tätig. 2010 reiste er in 32 Tagen mit dem öffentlichen Verkehr nach Indien, wo er vier Monate blieb. 2012 hat er in einer Elektro-Lehrwerkstatt in Kairo gearbeitet. Anschliessend war er wieder mit dem öV unterwegs – von Ägypten bis nach Mombasa in Kenia. Auf seinen Reisen hat er neue Eindrücke gewonnen und auch viel Armut gesehen. «Mir ist es wichtig, dass möglichst keine Nahrungsmittel, respektive Ressourcen, verschwendet werden.» Das hat ihn auch dazu bewogen, seine Lebensweise zu ändern. Heute ist er Lacto-Vegetarier. Das heisst, Xaver Ammann konsumiert Milchprodukte, aber keine Eier, kein Fleisch und auch keine Meeresfrüchte. Der Bio-Bauer findet, dass der Konsum von Milchprodukten oder Wiederkäuerfleisch dennoch sinnvoll ist. Denn zwei Drittel der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzflächen sind Grasland oder Steppen.

Biologisch vielseitige Ernährung

Für den Anbau von Soja benötigt man viel Geduld. Anfang Mai wird der Boden für die Sojasaat vorbereitet. Anschliessend wird das Saatgut mit Knöllchenbakterienpulver in den Boden eingebracht. Diese Bakterien, welche im Boden natürlich nicht vorhanden sind, fixieren Stickstoff aus der Luft. Das ist auch der Grund, dass kaum zusätzlich gedüngt werden muss. Nach rund drei Wochen sind die Pflänzchen bereits zehn Zentimeter hoch. Die Pflanze ähnelt einer Bohnenstaude. Die Höhe erreicht vor der Ernte rund 80 bis 100 Zentimeter. Die Ernte erfolgt nach rund 140 Tagen. Der Ertrag pro Hektar beträgt etwa zweieinhalb bis drei Tonnen Bohnen. Bei der Fläche von Xaver Ammann sind das etwa eineinhalb Tonnen Ertrag. Nach der Ernte werden die Bohnen getrocknet und gereinigt. Die Feuchtigkeit der Bohnen nach der Ernte beträgt 16 bis 20 Prozent. Nach dem Trocknen beträgt die Feuchtigkeit rund elf Prozent. Anschliessend werden die Bohnen verkauft. Den Hauptteil der Sojaernte verkauft Ammann direkt ab Feld – ungereinigt und ungetrocknet. Hauptabnehmer ist die Mühle Rytz in Bibern. Diese verarbeitet die Sojabohnen für verschiedene Tofureien. Für ein Kilo Speisesoja wird in der Schweiz 2.30 Franken bezahlt, für Futtersoja gerade mal die Hälfte.

«Tofu liefert knapp 40 Prozent hochwertiges Eiweiss und 20 Prozent Fett», sagt Ammann. Tofu kann mit gepresstem Quark verglichen werden. Der Vorteil bei der Verarbeitung von Soja ist, dass man die Bohne jederzeit weiter verarbeiten kann, dies im Gegensatz zur Milch, diese ist verderblicher. Aktuell werden rund 98 Prozent der weltweiten Sojaproduktion in der Tierfütterung verwendet. Die in der Schweiz angebauten Bio-Sojabohnen werden hauptsächlich für die Ernährung der Menschen eingesetzt.

Die Schweizer Forschungsanstalt Agroscope beteiligt sich aktiv an der Sojazüchtung. Erst durch eine kältetolerante Sorte mit einer kürzeren Vegetationszeit ist es möglich, Soja in Ganterschwil anzupflanzen. Entgegen der Meinung, dass in der Schweiz durch vegetarische und vegane Ernährungstendenz viel Soja konsumiert wird, befindet sich der Verzehr auf einem sehr tiefen Niveau. Xaver Ammanns Bestreben ist es, dass viele Menschen biologisch, vielseitig ernährt werden können. Dazu sind Soja und andere Hülsenfrüchte hervorragend geeignet.

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