FOTOGRAFIE

Eisige Einblicke

Hanspeter Schachtler aus Wattwil ist der einzige Toggenburger, der eine Auswahl seiner Werke an der schweizweiten Werkschau Photo18 zeigt. Entschieden hat sich der 65-jährige Amateurfotograf für vier Farbaufnahmen mit Gletschermotiven.
10.01.2018 | 05:22
Anina Rütsche

Durchnässt und dreckig, so kommt Hanspeter Schachtler zuweilen von seinen Touren nach Hause. Der 65-Jährige aber stört sich nicht daran, denn in solchen Momenten, nach einem erfolgreichen Foto-Abenteuer, ist er «einfach nur glücklich». Das Element Wasser, am liebsten in Form von Eis oder Schnee, hat es dem Wattwiler besonders angetan. Auf der Suche nach Bildern wagt er sich sogar in Gletscherhöhlen. Eine Auswahl der spektakulären Aufnahmen, die ihm dabei gelingen, sind von Freitag bis Dienstag an der Photo18 zu sehen, der grössten und wichtigsten Werkschau für Fotografie, die es in der Schweiz gibt (siehe Kasten).
 

Einziger Teilnehmer, der im Toggenburg wohnt

Für Hanspeter Schachtler ist die Photo18 eine Premiere. Zwar ist er bereits seit den 70er-Jahren fotografisch tätig, doch zu einer Ausstellung ist es bisher nie gekommen. «Das wollte ich unbedingt ändern», sagt der gelernte Elektroingenieur, der seit rund einem Jahr pensioniert ist. «Ich habe nun mehr Zeit für mein kreatives Hobby und möchte meine Werke einem grösseren Publikum zeigen.»

Beim Bewerbungsprozess für die Photo18 habe er als erstes aus der Fülle seiner Bilder bewusst nur einige wenige ausgewählt und diese dann in einem Layoutkonzept dargestellt. Bereits für die Photo17 habe er ein Dossier eingereicht, doch daraus sei leider nichts geworden, erzählt der gebürtige Innerschweizer, der seit den 1991 in Wattwil lebt. «Es ist also umso schöner, dass ich dieses Jahr mitmachen darf.» Gemäss Ausstellungskatalog ist Hanspeter Schachtler dieses Jahr der einzige Kandidat aus dem Toggenburg, der an der renommierten Ausstellung vertreten ist. Wie viele andere der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird Hanspeter Schachtler während der Ausstellung mehrmals in den Hallen nahe des Bahnhofs Oerlikon anzutreffen sein. «Ich möchte diesen Anlass dazu nutzen, um Kontakte zu anderen Fotografen zu knüpfen und mir ein Netzwerk in der Szene aufzubauen.»

Ruhige Bilder mit dezenten Farben

Die vier Fotografien, die Hanspeter Schachtler demnächst in Zürich präsentiert, zeigen Gletschermotive aus den Kantonen Graubünden und Wallis. Zwei der Aufnahmen im Querformat hat Hanspeter Schachtler in Eishöhlen des Roseggletschers im Oberengadin gemacht, eine weitere am Lagh da Caralin am Berninapass, eine andere im Zinalgletscher. Die Bildkompositionen wirken ruhig, die Farbgebung ist dezent, das Licht ausschliesslich natürlich. Im Gletscherinnern reflektiert sich das von aussen eintretende Licht an den Oberflächen des Eises in einer von blau bis goldbraun reichenden Farbpalette. Je nach Situation kann jedoch auch ein fast schwarz-weisser Eindruck entstehen. Die auf hochwertiges Papier gedruckten Bilder weisen alle eine Grösse von 81 mal 54 Zentimetern auf. Der Amateurfotograf sagt:«Ein so grosses Format ist nötig, damit auch die Details zur Geltung kommen.»

Manchmal, in besonders eindrücklichen Situationen im Eis, stiehlt sich für Hanspeter Schachtler die Zeit davon. Es gibt dann nur Wahrnehmung und Achtgeben ausserhalb des Vertrauten. «Trotz aller Faszination muss ich ständig auf der Hut sein, denn solche Touren sind nicht ungefährlich», hebt er hervor. «Meine Erfahrung kommt mir zugute, doch den Respekt vor der Bergwelt habe ich mir in all den Jahren bewahrt.» In der Vorbereitung entscheidet Hanspeter Schachtler jeweils, was an Ausrüstung unerlässlich ist. So werden je nach Situation neben der Kamera allenfalls Stativ, Steigeisen, Pickel und Helm notwendig.
 

Zeigen, wie sich die Natur verändert

Unterwegs ist Hanspeter Schachtler meistens alleine, dies im Rahmen von Tagesausflügen mit Bahn und Bus. Anschliessend geht es zu Fuss meist abseits der Wege weiter, bergauf und gegen Abend wieder bergab. «Die nötige Kondition zum Bergsteigen trainiere ich mir mit regelmässigen Joggingrunden an», sagt der sportliche Wattwiler, der von seinen Touren meistens einige hundert Aufnahmen mit nach Hause bringt. Bevor er diese als erstes seiner Frau zeigt, wird allerdings extrem aussortiert, sodass nur wenige oder auch mal gar keine Bilder zur weiteren Verarbeitung verbleiben. Auch wenn die Gletschermotive auf Hanspeter Schachtlers Bildern stark und beständig wirken, sind sie im Grunde genommen so vergänglich wie kaum etwas Anderes. «Mir gefallen Orte, an denen sich die Natur verändert», sagt der Amateurfotograf. Auch wenn es sich hier um eine traurige Veränderung handle, denn der Rückgang der Gletscher gebe ihm immer wieder zu denken. «Es freut mich aber, wenn ich anderen Menschen mit meinen Bildern einen Einblick in diesen Wandel geben kann.»

Ausstellung Photo18: Vom Freitag, 12. Januar, bis und mit Dienstag, 16. Januar, Zürich-Oerlikon. Geöffnet jeweils von 11 bis 20 Uhr. hanspeter-schachtler.jimdo.com

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