Der Zweck heiligt die (Kreisel-)Kunst

Mini-Monolith beim Rosengarten

13.01.2018 | 05:19
Max Eichenberger

Er erinnert im Miniformat an Jean Nouvels rostigen Monolithen aus Stahl und Blech, der während der Dauer der Expo 2002 auf dem Neuenburgersee schwamm und als eines der Wahrzeichen der Landesausstellung galt: Der Stahl-Kubus im Webschiffkreisel.

Eigentliche Kreisel-Kunst ist der stählerne Quader aber nicht. Er hat einen Zweck: Darin sind nämlich die Elektronik, die Stromverteilung und die Steuerung der Schieber des Störfallbeckens verpackt. In Betrieb gesetzt wird das unteridische Kammersystem mit einem Fassungsvermögen von 75 Kubikmeter, falls dort im Rayon der neuen Kantonsstrasse (NLK) als Folge eines Unfalls Benzin, Oel oder Chemikalien auslaufen sollten. Statt dass die freigesetzten Schmutzstoffe in die normale Strassenentwässerung gelangen, werden sie durch die Betätigung des Schiebers in die Kammern umgeleitet und dort zwischengespeichert, ehe sie spezialentsorgt werden.

Das Störfallbecken ist als Teil des NLK-Projekts im Eigentum des Kantons. Den Unterhalt besorgt im Auftrag des Tiefbauamtes der Abwasserverband Morgental, erklärt dessen Betriebsingenieur Marco Käser. Und löst damit ein Rätsel auf, vor dem manche Passanten beim Anblick des Mini-Monolithen stehen.

Durch die spezielle Legierung des Cortenstahls bildet dieser eine Rostpatina. Neben seiner Funktion ist dieser Stahl auch stilbildendes Element in der Architektur wie auch in der Kunst. Die Arboner Hermann Forster AG (später Teil der Arbonia-Forster-Gruppe) hat den wetterfesten Fassadenelementen als Produzentin in den Sechzigerjahren in der Schweiz massgeblich zum Durchbruch verholfen. Der Mini-Monolith nimmt die Form der Rosengarten-Bauten auf. Architekt Max Dudler hätte wohl ob solcher Ehre seine stille Freude.

Gestaltung und Unterhalt von Kreiseln im Kantonsstrassennetz sind Sache der Gemeinden.Die Bäume und Pflanzen im langgezogenen Webschiffkreisel, des längsten Kreisels zumindest im Thurgau, hegen und pflegen die Mitarbeiter von Werkhof und Stadtgärtnerei.

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

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