MÖRSCHWIL

"Den Verlust der Manser Molki muss man nicht überdramatisieren"

Die Molkerei Manser wird in die Rorschacher Molkerei Fuchs integriert. Im Sommer wird sie aus dem Dorfbild verschwunden sein. Stellen werden abgebaut, aber auch Neues soll entstehen.
13.01.2018 | 05:19
Adrian Lemmenmeier

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

Man kennt sie nicht nur in Mörschwil: Die Joghurt der Molkerei Manser geniessen über die Gemeindegrenze hinaus einen hervorragenden Ruf. Kaufen kann man sie noch bis Frühling. Dann verschwindet die Marke Manser aus dem Kühlregal. Und einige Monate später verschwindet die "Molki" aus Mörschwil. Der Betrieb geht mit der Molkerei Fuchs in Rorschach zusammen. Sepp Manser, der die Geschäftsleitung mit seinem Bruder Stefan teilt, geht in Pension. Stefan Manser wechselt zur Fuchs Molkerei.

"Natürlich sind Emotionen im Spiel", sagt Sepp Manser. "Einen Betrieb einzustellen, der 72 Jahre lang bestanden hat, ist nicht einfach." Aber es mache auch keinen Sinn, ein Unternehmen um jeden Preis zu erhalten. Denn dem Familienbetrieb fehlte ein Nachfolger. "Mit der Molkerei Fuchs, mit der wir schon 23 Jahre zusammenarbeiten, haben wir eine gute Lösung gefunden", sagt Manser. Aber man müsse sich keine Illusionen machen: Die Firma Fuchs werde einen Teil der 20 Angestellten übernehmen, aber nicht alle. "Es werden Stellen abgebaut." (siehe unten)
 

"Der Lauf der Zeit lässt sich nicht aufhalten"

Im Frühling verlor Mörschwil die Poststelle, jetzt die Molkerei. Für den Gemeindepräsidenten Paul Bühler ist das bedauerlich. Auch weil er die "Molki" bereits als "chliine Chnopf" besucht habe: "Am Sonntag nach der Kirche gab es dort früher frischen Rahm." Das sei für ihn jeweils ein"Highlight" gewesen. Auch heute besucht Bühler die Molkerei fast jeden Samstag. Ob dort tatsächlich die besten Joghurt hergestellt würden, könne er nicht sagen:"Weil ich kaum andere esse, habe ich wenig Vergleichsmöglichkeiten." Den Verlust der Molkerei müsse man aber nicht überdramatisieren. Denn die Einkaufsmöglichkeiten der Mörschwilerinnen und Mörschwiler würden nicht gravierend eingeschränkt. "Schliesslich gibt es gleich daneben den Volg", sagt Bühler. Und der Lauf der Zeit lasse sich nun einmal nicht aufhalten. "Als ich klein war, gab es noch sechs Milchannahmestellen im Dorf", sagt Bühler.

In dieselbe Kerbe schlägt Esther Popp, Präsidentin des Gewerbevereins. Die Fusion der beiden Molkereien habe sie nicht wirklich überrascht. "Für kleine Molkereien ist es schwierig, im Markt zu bestehen." Für Mörschwil aber sei es sicher "sehr, sehr schade", dass die Molkerei schliesse. Der Aufschrei im Dorf sei aber ausgeblieben."Gut möglich, dass sich die Leute daran gewöhnt haben, dass Geschäfte in der Gemeinde zugehen." Insgesamt müsse man sich nicht beklagen: Die Mörschwiler hätten nach wie vor ausreichend Möglichkeiten, im Dorf einzukaufen.

Eine Umnutzung im Zentrum

Die Manser Molki befindet sich mitten im Zentrum Mörschwils, an der St.Galler Strasse, an bester Lage. Was geschieht mit dem Gebäude, wenn hier nicht mehr Milch entrahmt oder Joghurt gemacht wird? "Wir werden das Gebäude umnutzen", sagt Sepp Manser. "Wie genau, wissen wir noch nicht."

Ob in der "Molki" einst ein anderer Gewerbebetrieb untergebracht wird oder ob etwas ganz Neues entsteht, ist also offen. Die Bauzone lässt gemäss Gemeindepräsident Bühler verschiedene Möglichkeiten zu.

Mehr Mitarbeiter und neue Produkte bei Fuchs

Rorschach Bei der Molkerei Fuchs stehen durch die Integration der Manser Molki einige Änderungen an. So wird in Rorschach neu Saurer Halbrahm ­hergestellt und der Bereich Käsemischungen wird ausgebaut. «Beide Produkte waren bei Manser im Sortiment. Uns ist es ein Anliegen, dass die Manser Kundschaft auch künftig damit beliefert werden kann», sagt Marketing-Chef Dominik Fuchs. Anpassungen gebe es in Rorschach auch bei der Infrastruktur. So werden unter anderem die bestehenden zwei Pasteur-Anlagen – dort wird Milch durch kurzes Erhitzen haltbar gemacht – zu einer grossen zusammengeführt, um die Produktion erhöhen zu können. Bisher stellte die Molkerei Fuchs jährlich 2000 Tonnen Joghurt, 800 Tonnen Butter sowie 500 Tonnen Buttermilch und Molke her. Gemäss Dominik Fuchs wird diese Menge künftig grösser sein. Wie viele Manser Mitarbeiter tatsächlich übernommen werden, kann er noch nicht sagen. Ein Mehrbedarf und natürliche Abgänge würden aber mit Mitarbeitern der Manser Molki aufgefangen. (rtl)

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