NEUES ERSCHEINUNGSBILD

St.Galler Polizisten müssen länger auf neue Uniform warten

Stadt- und Kantonspolizei erhalten 2019 neue Uniformen. Sie spannen dabei mit einer Vielzahl anderer Korps zusammen. Zu Testzwecken sind bereits heute einige Beamte mit der neuen Kleidung unterwegs.
13.01.2018 | 05:19
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Sie muss Wind und Wetter aushalten, zeitgemäss aussehen und praktische Anforderungen erfüllen: Die Ansprüche an eine Polizeiuniform sind hoch, die Neubeschaffung der Kleidungsstücke muss wohl überlegt sein. Immerhin muss die neue Garderobe dann auch eine Weile überdauern. Seit 2001 sind Stadt- und Kantonspolizei mit ihren aktuellen Uniformen auf der Strasse unterwegs. Es gab zwar kleine Anpassungen, zum Beispiel an Namensschildern oder dem Krawattenmuster. An der Grundausstattung hat sich aber seit 17 Jahren nichts geändert – bis jetzt.

Eigentlich hätten die neuen Polizeiuniformen bereits dieses Jahr beschafft werden sollen. Im Budget 2018 der Stadt waren dafür 100'000 Franken vorgesehen. Der Posten wurde aber an der Budgetsitzung des Stadtparlaments gestrichen und auf 2019 verschoben, weil sich die Einführung der neuen Uniformen verzögert. Denn hinter der Beschaffung steckt ein Grossprojekt. Neben allen Korps des Ostschweizer Polizeikonkordats, deren Mitglieder bereits bis anhin die selben Uniformen verwendeten, beteiligen sich auch die meisten Polizeikorps aus der Nordwestschweiz (Aargau, Bern, Basel-Landschaft und Solothurn) sowie Stadt- und Kantonspolizei Zürich. Auch die SBB-Transportpolizei macht mit. Das heisst: Künftig werden all diese Polizeikorps einheitlich mit der gleichen Uniform unterwegs sein – und nicht wie bis anhin je nach Kanton und Stadt in unterschiedlichem Erscheinungsbild.
 

Tragtest wird verlängert

Dionys Widmer, Sprecher der St.Galler Stadtpolizei, sagt auf Anfrage, die Anschaffung neuer Uniformen sei eine günstige Gelegenheit. «Das Projekt wird von der Kantonspolizei Zürich geleitet. Für uns ergeben sich Synergien, wenn wir mitmachen.» Denn einerseits würde so ein einheitliches Erscheinungsbild geschaffen, was das Auftreten in der Öffentlichkeit einfacher mache. Und andererseits habe die Zusammenarbeit mit anderen Korps auch finanzielle Vorteile. «Bei künftigen Beschaffungen können so die Kosten gesenkt werden.» Bereits seit vergangenem Sommer seien insgesamt fünf Mitarbeiter der Stadtpolizei mit den neuen Uniformen auf den Strassen der Stadt unterwegs. «Die Rückmeldungen haben gezeigt, dass bei einzelnen Kleidungsstücken noch Anpassungen vorgenommen werden müssen», sagt Widmer. Deshalb wurde die Testphase nun noch einmal verlängert – und entsprechend verzögert sich auch die Einführung der neuen Kleidungsstücke. «Während dieser Phase ist es wichtig, dass die verschiedenen Komponenten in allen Jahreszeiten probegetragen werden können.» Schliesslich gehe es bei der Einführung neuer Uniformen nicht primär um ästhetische Aspekte, sondern vor allem um funktionale Kriterien wie Wetterfestigkeit.

Bei der Kantonspolizei Zürich, die das Projekt verantwortet, schlägt man ähnliche Töne an. Mediensprecher Werner Schaub sagt: «Das übergeordnete Ziel ist nicht eine einheitliche Erscheinung der Polizei.» Es sollen vielmehr «moderne und zweckmässige» Uniformen beschafft werden, die dem Standard heutiger Outdoor-Textilien entsprechen. Mit der gemeinsamen Beschaffung sollen künftige Beschaffungskosten reduziert und «die logistische Bewirtschaftung optimiert» werden.
 

Nur kleinere Anpassungen

Grosse Veränderungen wird die neue Uniform indes nicht aufweisen. Es handelt sich um kleinere Anpassungen. So soll zum Beispiel das Abzeichen von der Brust auf den Ärmel wandern, auch einige Taschen und der Schriftzug werden angepasst. In den letzten 100 Jahren hat die Stadtpolizei ihre Uniform nur wenige Male neu beschafft. Bevor die Beamten ihre aktuelle Bekleidung erhielten, waren sie mit Lederjacken unterwegs. Diese waren – wohl aus modischem Zeitgeist – 1980 eingeführt worden, erwiesen sich im Alltag aber zunehmend als wenig praktisch. Davor wurden jeweils 1943 und 1927 neue Dienstkleider eingeführt. Und vor 100 Jahren war die Stadtpolizei noch mit Säbel und Tschako unterwegs.

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