KONZERT

Wo das Rugguseli den Rap trifft

Der Hitzige Appenzeller Chor bietet mehr als Jodel. Hier erhält die Volksmusik eine Frischzellenkur und wird mit Rap, Beatbox und witzigen Slapstick-Einlagen aufgepeppt.
10.01.2018 | 05:22
Mirjam Bächtold

Mirjam Bächtold

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Weisses Hemd, braune Hose, rotes Brusttuch, auch Liibli genannt: So hat sie auszusehen, die Appenzeller Tracht. Die Farben müssen stimmen, so will es die Tradition. Zugeknöpft bis oben sind die Hemden, sodass die vier Sängerinnen und fünf Sänger des Hitzigen Appenzeller Chors kaum Luft bekommen. Doch dann wird der oberste Knopf geöffnet und nach und nach schleichen sich fremde Farben und Elemente in die Tracht. Die Socken sind rot statt weiss, einer trägt eine rote Fliege um den Hals gebunden, eine hat blaue Lackschuhe an, bei einem sind die Hosenträger rot. Die Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde, wird aufgepeppt.

Stimmkünstler mit A-cappella-Songs

Das tut der Hitzige Appenzeller Chor nicht nur bei der Tracht. Auch die Volksmusik erhält eine Frischzellenkur. Kürzlich sind «die Hitzigen», wie sie sich auch nennen im Chössi-Theater in Lichtensteig aufgetreten und haben das Publikum mit ihrem eigenen Stil der Appenzeller Musik begeistert. Die neun jungen Appenzeller sind nämlich nicht nur Jodler. In ihrem Programm «Joli-zwo» sind sie auch Gospelsänger, Tänzer, A-cappella-Akrobaten, Rapper und Schauspieler. Sie peppen die traditionellen Rugguseli mit Rap und Beatbox auf und singen auch moderne Songs wie «Bridge over troubled water», Gospels wie «Can the circle be unbroken», und auch ein klassisches Lied von Joseph Gabriel Rheinberger («Bleib bei uns, denn es will Abend werden»). Dabei beweisen die jungen Sängerinnen und Sänger ihre grosse Begabung als A-cappella-Gruppe. Man könnte mit geschlossenen Augen fast vergessen, dass keine Instrumente im Spiel sind. Wenn die Sängerinnen und Sänger sich die Nase zuhalten, klingen sie, als wären sie ein Dudelsack. Sie spielen das Intro der Filmproduktionsfirma Metro Goldwyn Meyer nach, sogar mit brüllendem Löwen, den sie mit einem Snickers besänftigen müssen.

Letzte Konzerte Ende Januar

Das Programm, das der Hitzige Appenzeller Chor bietet, ist viel mehr als ein Konzert. Jeder Song ist eine Inszenierung und wird mit vielen Slapstick-Einlagen für den Zuschauer zu einer Comedy Show. Die Hitzigen zeigen, dass sie nicht nur Sänger, sondern auch Schauspieler sind. Mit einer super Mimik, oft ohne grosse Worte, bringen sie das Publikum zum Lachen. Nebst dem Witzigen lässt der Hitzige Appenzeller Chor auch Platz für die leisen Töne. Besinnlich wird es beim rätoromanischen Lied «Dorma bain», bei dem das Bühnenlicht gelöscht wird. Die Sänger zaubern mit ihren Taschenlampen Muster in den dunklen Raum. Auch der Jodel «Mer sönd halt Appezöller» bekommt beim Hitzigen Appenzeller Chor eine eigene Färbung. Die eher in Moll gehaltenen Harmonien erinnern ein wenig an eine Komposition aus der Romantik. Das Konzert im Chössi-Theater war eines der letzten des Hitzigen Appenzeller Chors. Ende Januar verabschiedet er sich dann von der Bühne. Die letzten Konzerte finden vom 25. bis 27. Januar in Appenzell statt.

Leserkommentare
Weitere Artikel