SCHLIESSUNG

"Die Batterien sind leer": Aus fürs Centro Italiano in Appenzell

Ende Januar schliesst das Centro Italiano in Appenzell. Für viele Gäste und insbesondere auch für eine Kantonalpartei und eine politische Gruppierung ist dies ein herber Verlust.
11.01.2018 | 10:31
Roger Fuchs
Mit dem Centro Italiano an der Wührestrasse in Appenzell verbindet Martin Pfister, Präsident der Innerrhoder SP, viele Erinnerung. Nicht nur die Gründungsversammlung der Partei im August 2012 fand in diesem Lokal statt, auch das fünfjährige Jubiläum wurde hier gefeiert. Und die von der Partei aufgegleiste Reihe "Appenzell diskutiert" gastierte regelmässig  im Centro. "Für uns ist die Schliessung des Lokals deshalb ein grosser Verlust", bringt es Pfister am Mittwochabend auf den Punkt. Seine Partei und die Gruppe für Innerrhoden (GFI) haben zu einer gemeinsamen Schlussfeier geladen, um  sich beim Wirtepaar Mario und Donatella D’Errico für die vergangenen Jahre zu bedanken.

Josef Manser, Präsident der GFI, würdigt das Lokal als Treffpunkt für viele Appenzeller. Auch seine Gruppierung wählte in der Vergangenheit immer wieder das Centro Italiano für Sitzungen und Anlässe. "Das Lokal hatte auch eine integrative Funktion, weil hier verschiedene Kulturen aufeinandertrafen", so Manser. Und leicht schelmisch fügt er an: "Hier hat man Italien gespürt, ohne verreisen zu müssen."
 

Mehr Zeit für das Enkelkind

Mario und Donatella D’Errico haben vor rund zwanzig Jahren den Restaurationsbetrieb übernommen und als "Centro Italiano" zu einem kulturellen Treffpunkt gemacht. "Doch jetzt sind die Batterien leer", begründet Mario D’Errico das Ende. Auch seien sie kürzlich Grosseltern geworden und würden gerne Zeit für das Enkelkind haben. Mario D’Errico will zudem noch im Malergeschäft seines Sohnes mithelfen. Das bedeutet auch: Sie bleiben in Appenzell wohnen. Am Mittwochabend hat das Ehepaar noch einmal alle Register gezogen, um die Gäste zufrieden zu stellen. Das Rahmenprogramm bestreitet unter anderem die im Bernbiet wohnhafte Historikerin Francesca Falk . Sie referiert darüber, wie die Schweiz von der Migration geprägt wurde. Und Hans Fässler sorgt mit politischen Liedern für musikalischen Hörgenuss. An den Tischen vermischt sich italienisch und deutsch. Mario D’Errico spricht derweil vom Glauben als eine wichtige Gemeinsamkeit zwischen der innerrhodischen und italienischen Kultur.

Die SP AI und die GFI werden fortan ohne das Centro Italiano auskommen müssen. Bei der SP ist man bestrebt, wieder nach einer fixen "Heimat" zu suchen. Unter anderem wolle man auch den spanischen und serbischen Club anfragen, sagt Martin Pfister. Man darf gespannt sein, wo es die Partei hinzieht.
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