Salzkorn

08.12.2017 | 05:17

In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Die Unschuldsvermutung gilt als eine der Säulen des Rechtsstaats. Menschenrechts­erklärungen und unsere ­Bundesverfassung halten fest: «Jede Person gilt bis zur rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig.»

Bisher jedenfalls. Das soll nun immer dann, wenn eine sexuelle Belästigung vermutet wird, nicht mehr gelten. Der Walliser SP-Nationalrat Reynard verlangt in einer parlamen­tarischen Initiative, dass, wer sich zum Opfer eines sexuellen Übergriffs erklärt, keine Beweise mehr für die Tat vorzulegen hat. Stattdessen müsse nun der Täter seine Unschuld beweisen. Dass Zwischenmenschliches, das nichts mit Sex zu tun hat, zu falschen Anschuldigungen führen könnte, sei keineswegs zu befürchten.

Wer sich so ohne Beweise zum Opfer erklärt, hat eben bereits die Märtyrerkrone errungen. Da bleibt für den angeprangerten Täter nur noch eines: Für ihn gilt die Schuld­vermutung.G. F. H.

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